DER WETTBEWERB

2015 wurde die Trinitatiskirche Mannheim zur Zwischennutzung ausgeschrieben. In einem zweistufigen Wettbewerb wurden innovative Ideen zur Nutzung der denkmalgeschützten Kirche gesucht. Das EinTanzHaus konnte sich mit seinem Konzept durchsetzen. Die Synergie zwischen sakraler Kirchenarchitektur und kultureller Plattform stellt eine innovative Neuorientierung für die Tanz- und Theatersparte dar – die Umnutzung der Kirche als Symbol für lebendige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Wandel, Kultur und des Umdenkens. Innovation bedeutet für den EinTanzHaus-Verein nicht nur die thematische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Zukunftsvisionen, sondern auch die Umsetzung eines außergewöhnlichen Architekturkonzepts. 

DIE TRINITATISKIRCHE

Die heutige Trinitatiskirche wurde 1956-59 nach Plänen von Helmut Striffler (1927-2015) auf den Trümmern des Vorgängerbaus errichtet. Mit ihrer Gestaltung und Materialität ebnete der kompromisslos moderne Bau den Weg für die Gedächtniskirche in Berlin (Architekt: Egon Eiermann). Bauhistorisch ist die Trinitatiskirche einer der bedeutendsten Kirchenbauten in der badischen Landeskirche. Seit 1994 ist sie Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung (Baden-Württemberg).

DIE IDEE

Die Tanzszene in Mannheim und das Publikum sind in den letzten Jahren stetig gewachsen. Aus der Notwendigkeit Raum für Tanz zu schaffen, gründeten Daria Holme und Éric Trottier (La_Trottier Dance Collective) den EinTanzHaus-Verein. Gemeinsam planten sie zunächst in Kooperation mit dem EinRaumHaus einen mobilen Tanzraum am Neckarufer. Die Ausschreibung der evangelischen Kirche gab der Initiative eine neue Richtung. Das Konzept EinTanzHaus wurde an die Trinitatiskirche und ihre neuen Möglichkeiten angepasst. Sie erweiterten das Team um Mireille Göhring (Architektur) und Damian Chmielarz (Veranstaltungstechnik). 

Die Initiatoren & Leiter

DARIA HOLME, geboren in Mannheim, studierte an der Gerrit Rietveld Akademie für Kunst und Design in Amsterdam (NL). Seit ihren Diplom im Jahr 2000 arbeitet sie als selbständige Grafikerin und Gestalterin im Kulturbereich für Kunstmuseen, Bildende Künstler, Tanz- und Theaterensembles sowie Festivals zunächst in Amsterdam, Karlsruhe und seit 2009 in ihrem Studio in Mannheim. In Mannheim war sie unter anderem für das Theaterfestival Schwindelfrei, das Fotofestival Ma/Lu/Hd und das EinRaumHaus tätig. Überregional arbeitete sie für das Boijmans van Beuningen Museum Rotterdam, das Steedelijk Museum Amsterdam, das ZKM Karlsruhe, das Landesmuseum Kunst- & Kulturgeschichte Münster und für zahlreiche freie Künstler und Galerien. 2010 gründete sie die Kunstzeitschrift Kindertseitung, die unter anderem mit einem Lead Award 2012 ausgezeichnet wurde. 

ÉRIC FROTTIER stammt aus Québec in Kanada. Engagements führten ihn zur Kibbutz Contemporary Dance Company, an das Nationaltheater Mannheim unter Philippe Talard, an das Tiroler Landestheater Innsbruck unter Jochen Ulrich, das Theater der Bundesstadt Bonn, das Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg, das National Moravian-Silesian Theatre Ostrava, das Theater im Ballsaal Bonn sowie die Brotfabrik Bonn. Zu den Choreografen mit denen er zusammenarbeitete, zählen Rami Be’er, Mats Ek und Jirí Kylián. 2011 gründete er das La_Trottier Dance Collective Mannheim. 2015 gewann Trottier – mit dem in Koproduktion mit Guido Preuß und Karel Vanek enstandenen Stück endless refill – den Tanz- und Theaterpreis der Stadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg.

DAS KONZEPT

Das EinTanzHaus ist sowohl ein Haus für ChoreografInnen, die Heimat des auf Erweiterung angelegten La_Trottier Dance Collective, als auch Festivalzentrum für Mannheimer Festivals, Experimentierforum für zeitgenössischen Tanz, Unterrichtsraum für Tanzinteressierte, Treffpunkt der hiesigen Szene, kulturelles Zentrum mitten in den Quadraten, temporäre Außenstelle anderer Veranstaltungsreihen, eine lebendige Plattform für kulturellen Austausch, ein Ort des Zusammenlebens und der Kommunikation für Künstlerinnen, Künstler und Nachbarschaft.

Ein wichtiger Aspekt ist die soziale und integrative Komponente des Projekts: Wir begreifen Tanz als universelle Sprache und schaffen im EinTanzHaus einen integrativen Raum für unterschiedlichste Kulturen und Gruppierungen. Tanz/Musikprojekte mit Kindern und Jugendlichen, mit allen Menschen, die sich auf experimentelles Zusammenarbeiten einlassen wollen. Erfahrene und etablierte Künstlerinnen und Künstler arbeiten hier Seite an Seite mit Neueinsteigern. 

Das Potential der unterschiedlichen Menschen und Kulturen in Mannheim und speziell dem Quartier um die Trinitatiskirche wollen wir nutzen, um Menschen zusammenzubringen, um miteinander Neues zu gestalten. Am 30. September geht das EinTanzHaus mit seinem zunächst dreimonatigen Vorstellungsprogramm in die Testphase.

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